Alleine auf Reisen

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Anfangs hatte ich riesige Bedenken alleine die Welt zu erkunden. Ganz ohne  Freundin, Freunde, Familie oder einfach eine Reisebegleitung. Natürlich gab es Momente, wo ich meine Entscheidung bereut hatte, dass sind die Tiefpunkte, die wohl jeder Reisende kennt! Man braucht aber immer wieder Tiefen um die Höhen genießen zu können.

Damals als ich meinen freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr geleistet habe, waren meine Gedankengänge ähnlich: Warum mach ich das? Und vor allem warum mache ich das freiwillig? Heute blicke ich zurück auf die Zeit meiner Grundausbildung bei den Panzergrenadieren in Regen und bereue nichts. Es war denfinitiv eine der besten Zeiten in meinem Leben.

Das bequeme Leben zu Hause auf der Couch ist angenehm und einfach unkompliziert, aber wenn man mal ein halbes Jahr revue passieren lässt: An was für Momente erinnert man sich als Couchpotato? An dieses eine Mal, als die Pizza viel zu spät gekommen ist und man als Entschädigung Pizzabrötchen umsonst bekommen hat? Cool Story bro..

Es ist nicht immer leicht mal eben für längere Zeit im Ausland zu verschwinden. Man hat ja Verpflichtungen: Arbeit und eine Wohnung. Da sich gerade meine Freundin von mir getrennt hatte und wir eine gemeinsame Wohnung hatten, musste ich mir sowieso eine neue Wohnung suchen. Meinen Job habe ich schon immer gehasst, weshalb es mir nicht schwer viel diesen zu kündigen.

In dem Moment nach der Trennung wusste ich eh nichts mit mir anzufangen. Ich habe viel nachgedacht und über meine Träume nachgedacht. Ich bin seit Jahren ein riesieger Bear Grylls Fan. Ich liebe was er macht und mit welcher Begeisterung. Ich habe schon immer geträumt zusammen mit ihm in der Wildnis ausgesetzt zu werden. Neben den Survival Aspekten seiner Sendungen, zeigt er auch wie wenig ein Mensch braucht um glücklich zu sein. Abends in der schönsten Natur am Lagerfeuer sitzen und das Leben genießen. Und genau solche Erfahrungen wollte ich machen: Kein Pauschalurlaub, kein Standard Sightseeing, kein backpacking durch Australien, kein nerviger Tourist sein und vor allem das machen worauf ich Lust habe und mich nicht von irgendwem lenken lassen.

Mein Traum Reiseziel seit ich denken kann ist Hawaii! Ich recherchierte ewig und buchte schlussendlich mein Flugticket. Mein Traum war es auf Hawaii am Strand in meiner Hängematte zu schlafen. Ich kaufte mir also sämtliches Eqipment, wie meine Hängematte mit Moskitonetz um die mich unterwegs übrigens jeder beneidete. Mehr zu meinem Abenteuer in der Hängematte auf Kawaii folgt später hier.

Ohne wirklich einen Plan gehabt zu haben flog ich also los. Die erste Nacht auf Hawaii verbrachte ich am Flughafen von Honolulu. Übrigens nicht der beste Flughafen zum Schlafen. Ich habe im Laufe meiner Reise an vielen Flughäfen geschlafen in Florida sogar 2 Nächte am Stück, aber das ist wieder ne andere witzige Story.

Gleich am ersten Tag meines Aufenthalts im Hostel habe ich dann meinen ersten Travelbuddy kennengelernt. Von diesem Moment an hat einfach alles funktioniert, was ich mir nie erträumt hätte. Lukas und ich machten einen Roadtrip um die Insel, schliefen mal im Auto, mal am Strand, machten den coolsten illegalen Hike meines Lebens und erlebten viele coole Dinge zusammen. Nach einer Woche trennten sich dann auch schon unsere Wege. Ich war echt traurig, was mich wiederum glücklich machte. Denn wenn du traurig bist dann nur, weil du eine schöne Zeit hattest.

Am Ende unseres Roadtrips, als wir eigentlich nur unsere Handys bei Starbucks laden wollten, lernten wir rein zufällig Lucie kennen. Um mir meinen Aufenthalt auf Hawaii leisten zu können habe ich schon im Vorfeld überlegt auf einer Farm zu arbeiten. Ich hatte auch schon ein paar Bewerbungen geschrieben, leider bis zu dem Zeitpunkt ohne Erflog. Lucie hat uns von der Farm, auf der sie arbeitet erzählt und mich dann schlussendlich Peter dem „Besitzer“ der Farm vorgestellt. Und wie der Zufall es so wollte durfte ich am nächsten Tag, nachdem ich meinen Travelbuddy Lukas zum Flughafen gebracht hatte, auf der Farm mit Lucie und ca 17 anderen wwoofern anfangen zu arbeiten.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich echt: Das Leben liebt mich. Und so ging es dann auf meiner gesamten Reise weiter. Ein Zufall folgt dem nächsten und ich war immer umgeben von Leuten. Ein paar wurden gute Freunde, die ich hoffentlichbald wieder sehen werde, über ein paar bin ich froh sie nie wieder sehen zu müssen und mit einigen war es einfach cool Zeit zu verbringen. Wirklich alleine war ich nie. Natürlich gab es mal Wochen, wo ich alleine unterwegs war, einsam habe ich mich aber gerade auf Hawaii nie gefühlt. Ich habe mal gehört die Kubaner sollen mit das liebenswerte Volk sein. Wer das sagt kennt die Hawaiianer nicht! Aloha ist, wenn dir jemand ohne das er Geld will oder irgendwelche Hintergedanken hat, während du auf den Bus wartest, eine tropische Frucht in die Hand drückt und dir erklärt wie man die isst. Wenn dich Hippies beim Trampen aufgabeln und dir ihren Lieblingsplatz auf der Insel zeigen, wenn dir jemand ihre Handynummer gibt, weil sie sich Sorgen macht bei meinen Plänen oder wenn dir jemand einfach so nen Job und ne Unterkunft anbietet. Mir ist noch nie so viel Gutes passiert wie auf Hawaii. Ich habe echt so viele tolle Menschen auf Hawaii kennen gelernt und kaum Schlechtes erlebt. Ich denke früher oder später werde ich dahin auswandern, wenn sich die Möglichkeit ergibt, wobei ich sowas jetzt noch nicht planen will.

 

Gerade dieses alleine unterwegs sein lässt dich über dich hinaus wachsen. Wir Menschen haben Redebedarf und auch wenn es mir am Anfang echt schwer viel, weil mein Englisch echt schlecht war, habe ich dann beim Trampen auf Kawaii viele coole Leute kennengelernt und mit viel Smalltalk mein Englisch aufgebessert.  Wenn du niemanden zum Reden hast, dann suchst du dir jemanden zum Reden. Hätte selber nicht gedacht das ich Fremden gegenüber so offen sein kann. Ich denke die Reise hat einen Teil meiner Persönlichkeit geändert, beziehungsweise ich habe mich selbst viel eher gefunden. Wir sind in unserem Verhalten und unserer Persönlichkeit immer ein Spiegel unserer engsten Freunde und Bekannte. Wer bist du also, wenn sich dein Umfeld jede Woche ändert und du immer andere Leute um dich herum hast? Du bist du selbst!

Wenn man nicht alleine unterwegs ist, reist man automatisch anders. Man sucht niemanden zum Reden und man ist automatisch ein wenig verschlossener. Das ist es was ich am alleine Reisen schätzen gelernt habe, du bist deinen Mitmenschen gegenüber viel offener.

Ich habe Leute kennen gelernt die seit über einem Jahr alleine am Reisen sind. Ich für meinen Teil kann sagen ich liebe es alleine zu reisen, nach einer gewissen Zeit wird es aber auch sehr anstrengend. Oft ist man nur für 1 Woche zusammen mit jemandem unterwegs, oft sind es auch nur gemeinsame Tagesausflüge. Das Problem ist dabei man hat oft die selben Gesprächsthemen und man sehnt sich mit der Zeit schon nach einer Person als Konstante. Trotzdem denke ich jeder sollte einmal alleine gereist sein ob nun 1 Monat oder 2 Jahre wie lange ist eigentlich egal und muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich finde es super wichtig, das man auch alleine eine schöne Zeit haben kann und das nicht von anderen Menschen abhängig macht. Man muss nicht jeden Moment im Leben teilen. Ich bin zum Beispiel sehr froh, dass mich niemand bei der Wanderung durch den Vulkankrater auf Maui begleitet hat. Die Stille und die Einsamkeit hat sich super schön angefühlt. Ich habe mich alleine noch nie so wohl gefühlt wie an diesen 2 Tagen.

 

Gerade am Anfang meiner Reise hatte ich ständig den Gedanken im Hinterkopf: Wenn du wiederkommst bist du obdachlos und arbeitslos! Das Problem ist wir denken zu viel nach, wir planen unser Leben und leben nach einem Plan. Nach einer Weile hatte ich aber begriffen das, dass Leben immer einen Plan für dich bereit hält. Auch wenn ab und zu mal was schief geht und man ein bisschen Geld verliert und total deprimiert in Florida am Flughafen sitzt. Irgendwie geht es immer weiter.. und das ich 700€ in Sand gesetzt habe lässt sich verdrängen, aber die schönen Momente auf meiner Reise und die tollen Menschen von überall werde ich nie vergessen.

 

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