666 km mit dem Rad durch Südschweden

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Mit einem groben Plan wie unsere Route verlaufen soll, machten wir uns von Travemünde mit der Fähre auf den Weg nach Trelleborg. Nach 8 Stunden Fahrt bei bestem Wetter und einem ausgiebigem Sonnenbad auf dem Oberdeck begannen wir unsere Tour. Da wir am Nachmittag erst anlegten, entschieden wir uns zum nächstgelegenem Campingplatz im Ort zu fahren um den ersten Urlaubstag noch ein wenig genießen zu können. 

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Die erste Nacht im Zelt war der Horror. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages haben das Zelt am Abend so aufgewärmt, sodass ich mich nicht in meinen Schlafsack kuscheln mochte. Halbnackt lag ich also auf dem Schlafsack, zudem ließ ich das Innenzelt halbwegs offen. Sagen wir mal so: Ich hab aus diesem Fehler gelernt. Dass es Nachts so kalt werden würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Total unterkühlt bin ich aufgewacht und hab mich fix in mein Schlafsack gemurmelt. Wirklich schlafen konnte ich allerdings nicht mehr, also beschloss ich nach gefühlten 3 Stunden Frieren warm duschen zu gehen. Die Duschen waren gratis, aber warmes Wasser kam leider nicht raus, daher fror ich weiter. Nachdem ich mich dann aber mit dem Handtuch trocken gerubbelt hatte und mir meine Klamotten wieder angezogen hatte, konnte ich mich mit der aufgehenden Sonne wieder aufwärmen. 

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Ziemlich schlecht gelaunt begann der Tag. Mein Pessimismus brachte mich dazu die gesamte Reise im Vorfeld schon zu verfluchen. Verfolgt vom Pech ging es weiter und meine Laune wurde noch schlechter als ich bemerkte, dass ich meine geliebte Mr. Icecream Man Cap direkt beim ersten Campingplatz hab liegen lassen. Der erste Reisetag wollte nicht besser werden. Unser Tagesziel war zu hochgesteckt. Über 100km legten wir direkt am ersten richtigem Fahrtag zurück. Der Weg war sehr hügelig, für uns Norddeutsche waren das schon Berge und der Weg führte durch viel Landwirtschaft. Nicht das Schweden, was wir uns erhofft hatten. Unsere Laune war am Tiefpunkt und unsere Energiereserven waren auch am Ende. Schlecht gelaut und körperlich total am Ende kamen wir gegen 21:20 am Campingplatz an. „Die Rezeption ist seit 21 Uhr geschlossen“, sagte man uns. Wir könnten heute also mehr einchecken. Ziemlich scheiße, wenn man körperlich am Ende ist und der nächste Campingplatz nochmal ein paar Stunden weiter entfernt ist.

Mit ein bisschen Betteln hat es dann doch geklappt, leider war die Angestellte so genervt, dass sie uns den blödesten Platz auf dem Campingplatz gab. Da denkt man, man ist mitten in der Natur und dann schläft man im Zelt mit Autobahnlärm. Der Campingplatz hatte aber durchaus seine schönen Seiten: Er lag auch direkt am See, wovon wir allerdings nicht viel sahen, da es schon dunkel war.

Am Folgetag waren wir immer noch erschöpft und entschieden uns eine sehr kleine Strecke zu fahren. Von Hörby nach Höör, immer am See entlang, auf dem direkten Weg zum nächsten Campingplatz. Bei den Strapazen vom Vortag hatten wir uns ein wenig Pause verdient. Da es aber auch erst der zweite Fahrtag war, wollten wir nicht schon rasten. 

Wir suchten uns einen Supermarkt und füllten unsere Vorräte wieder auf. Als Chipsliebhaber habe ich mir vorgenommen sämtliche Chips auf der Reise zu probieren. Wirkliche Probierpackungen gabs dort aber nicht, stattdessen gab es alles in Vorratspackungen zu kaufen. So musste ich immer zusehen das ich die ziemlich riesigen 275g Packungen Chips zugig auf aß. Für mich kein Problem, eher ein Vergnügen. 
Endlich konnten wir ein wenig entspannen und unseren Urlaub genießen.  

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Die folgende Nacht war der reinste Härtetest für unser Zelt. Mit den ersten Regentropfen am Abend verkrochen wir uns in unser Zwei-Personen-Zelt. Der Himmel war bereits ziemlich zugezogen, ganz leicht regnete es aber schon. Nach kurzer Zeit begann es ziemlich heftig zu stürmen. Die Geräuschkulisse im Zelt war ein wenig beunruhigend, zumal wir unser Zelt unter einem Baum aufgestellt hatten. Neben Blitzen, welche unser komplettes Zelt erhellten, begann es heftig zu regnen, zumindest haben wir das im Zelt so wahrgenommen. 
An dem Abend waren wir froh ein wenig mehr Geld in ein vernünftiges Zelt investiert zu haben. Nach dem Unwetter fühlten wir uns ziemlich sicher in diesem Zelt. 
Am Morgen war von dem Sturm und dem Regen kaum etwas geblieben und wir konnten unsere Radtour im Trockenen fortsetzen. 

Ab nun begann der schönste Teil der Reise. Die Wege waren zwar nicht weniger anstrengend geworden, aber um einiges schöner. Menschenleere Wege durch die Wälder Südschwedens ohne nervenden Autolärm. Schöne Landschaften und ab und zu ein typisches Schwedenhaus wie man es sich vorstellt. Einige Dörfer bestanden teilweise nur aus 2-3 Häusern. Danach kam eine Weile dann auch erst mal nichts. Endlich waren wir da wo wir hin wollten. Mitten im Nichts. 

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Selbst der Campingplatz, wo wir unser Lager am dritten Tag aufgeschlagen hatten, war fast menschenleer. Mit 3-4 anderen Campern teilte man sich den Platz mit bester Aussicht auf den Finjasjön. 

Im Badeteich kühlten wir uns erstmal ein wenig von der schweißtreibenden Fahrt ab und machten uns dann schnellstmöglich auf dem Weg zum See. 

Hier ein paar Bilder von dem Tag, auch wenn es in echt 1000 Mal schöner war.

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Weiter ging es am nächsten Reisetag zum nächsten See. Diesmal nach Markaryd. Unsere Route verlief eigentlich immer von See zu See und dann die Schärenküste entlang. Der Getesjön in Markaryd war definitiv der wärmste See, in dem ich einen Fuß drin hatte, auf unserer Reise. Wer mehr Bilder sehen möchte, kann hier gerne mal vorbei schauen:

Markaryd Am See Getesjön

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Schön wars. Aber es sollte weiter gehen. Dieses Mal befand sich der nächste Campingplatz quasi auf einer Insel. Über eine Brücke kam man dort hin und die Lage war wie man es sich vorstellt einfach toll. Der Campingplatz war dementsprechend gut besucht. Trotzdem gab es schöne Plätze, wo man allein war und sich wie mitten in der Natur gefühlt hat. 

Der Sonnenuntergang am See war traumhaft, wie ihr auf den nachfolgenden Bilder sehen könnt.

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Das Landesinnere mit den weiten Wäldern und verlassenden Seen sollten wir nun hinter uns lassen. Auf dem oben zu sehendem Bild haben wir eine Rast gemacht. Auch wenn direkt am See eine Straße vorbeiführte, kam dort während unserer gesamten Rast kein einziger Mensch vorbei und das obwohl wir uns dort mit dem Campingkocher etwas zu Essen zubereitet haben. Was so schön aussieht, hat aber auch seine Schattenseiten. Am Abend hatte ich drei Zecken, lustigerweise sollten dies auch die einzigen 3 auf der gesamten Reise bleiben. 

Die Hälfte unserer Zeit war bereits verstrichen und der nächste Stop sollte Ullared  werden. Unser nördlichst gelegendes Ziel auf der Reise und das totale Kontrastprogramm zu der gesamten Reise. Warum? Das könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen:

Campen neben dem größten Supermarkt der Welt

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Nach dem Erlebnis „Ullared“ begann der Rückweg. Der erste und einzige Fahrtag auf unserer Radreise an dem es regnete. Zum Glück war der Regen nicht sehr stark und hörte gegen Mittag auch schon wieder auf. Langsam fuhren wir immer näher dem Wasser entgegen, bis man es riechen, aber leider noch nicht sehen konnte. Das setzte sich ein paar Kilometer fort, dann konnten wir endlich die felsigen Küsten sehen. Auch der Campingplatz in Harvedal war ziemlich schön gelegen. Man musste zwar 10 Minuten zum Strand laufen, hatte aber eine wunderschöne Küste. Zwischen den Dünen lagen wir und genossen den späten Nachmittag. Aber auch ein Outfitshooting durfte bei dieser Location nicht fehlen:

 Südschweden Schärenküste

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Auch wenn die Küstenwege voll mit Radwegen waren, war der Weg nicht viel angenehmer zu Fahren als im Landesinnere. Zwar hatten wir kaum noch mit starken Steigungen zu kämpfen, dafür kam jetzt, wo wir nicht mehr vom Wald um uns herum geschützt waren, die Komponente Wind dazu. Unser letzter Fahrtag von Helsingborg nach Malmö war dann auch mit dem Ersten der schrecklichste Tag der gesamten Tour. Noch nie in meinem Leben hatte ich so starken Gegenwind beim Radfahren. Meiner Erfahrung als Kitesurfer nach ca 30-40 Knoten Wind. Das hat keinen Spaß mehr gemacht. Einige Strecken mussten wir ewig lang schieben und selbst das war kein Vergnügen. Man hatte auch kaum das Gefühl voran zu kommen, dazu kam das uns die Küstenwege nicht wirklich gefallen haben. Wir hatten teilweise echt schöne Abschnitte, wo wir direkt an der Küste gefahren sind, das war aber eher die Ausnahme. Die Küste ist einfach viel dichter besiedelt, mehr Verkehr, mehr Menschen, weniger Natur und viel mehr, wie man es aus Deutschland kennt. 

Mein persönlicher Tipp wenn ihr durch Schweden reisen wollt, ob nun mit dem Camper oder mit dem Rad wie wir: Fahrt durchs Landesinnere! Die Schärenküste ist aber auch einen kleinen Besuch wert. 

 
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Unser letzter Halt war Malmö. Der Ort, von wo wir mit der Fähre wieder zurück kommen sollten. Malmö ist die drittgrößte Stadt in Schweden und durch die Öresundbrücke besteht eine direkte Verbindung nach Kopenhagen. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk und die weltweit längste Schrägseilbrücke. Malmö hatte definitiv schöne Ecken, dennoch hätte ich im Nachhinein lieber einen Tag in Helsingborg verbracht, wo wir nur durchgefahren sind. Zumindest auf den ersten Blick wirkte Helsingborg ein wenig interessanter, vielleicht komme ich eines Tages wieder dort hin und setze meine Schwedenreise fort.

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